Tapfere Krieger - Stolze Heimat
Der Bezirk Kufstein im Ersten Weltkrieg

„Daß man die italienischen Kriegsgefangenen frei und ohne jede Bewachung in den Straßen Kufsteins herumlaufen läßt, daran haben wir uns allmählich, wenn auch mit Kopfschütteln gewöhnt. Wenn man aber sieht, wie die Herren Signori aus dem Lande der Maronibrater bis spät abends in Gesellschaft jugendlicher Frauenspersonen in der Umgebung unserer Stadt schrankenlos spazieren gehen, dann kann man für eine solche Art von Gefangenschaft nur eine Stimme der Entrüstung haben, die nicht etwa von Einzelnen oder nur vom Schreiber dieser Zeilen ausgeht, sondern von der ganzen deutsch fühlenden Bevölkerung unserer Stadt rückhaltlos geteilt wird.“

Tiroler Grenzbote, 15. Juni 1918

Nicht die Chronologie der schon ausreichend dokumentierten militärischen Vorgänge während des Ersten Weltkriegs steht im Vordergrund dieses Buches, sondern der zeitgenössische Blick auf regionale und ferne Ereignisse aus der heimatlichen Perspektive.

Ein abwechslungsreicher geschichtlicher Report des Tiroler Historikers Peter Rohregger, der die Atmosphäre jener Jahre am Beispiel der Kriegsstimmung im Unterinntal sehr nahe bringt.

Buch krieger

Mein erster Türke
Ungenierte Fremdengeschichten

„Man kann den krummen Nasen das Geld genauso abnehmen wie allen anderen.“ Diese kaufmännische Logik warf ein geschäftstüchtiger Bürger aus Kitzbühel in die Debatte ein, als es im Jahr 1926 um die Frage ging, ob dieser aufstrebende Fremdenverkehrsort jüdische Gäste grundsätzlich ablehnen sollte.

Es sind solche Episoden aus der Vergangenheit, die es abseits der großen historischen Eckdaten erlauben, das Bild der Geschichte schärfer zu zeichnen. Die Absicht dieses Buches ist es, Geschichte durch die Annäherung an den jeweiligen Zeitgeist „lebendig“ zu machen. Zur besonderen Charakteristik dieser Annäherung trägt auch die Direktheit des historischen Erinnerns auf der Grundlage originärer Texte bei – wenn etwa ein österreichischer Orient-Reisender im Jahr 1854 gegenüber einer Zeitung seine Erfahrung preisgab, dass die Türken „unsäglich faule, träge und ungeschickte Handwerker und Landwirthe“ sind – oder wenn die deutsch-jüdische Frauenrechtlerin Bertha Pappenheim am Beginn des 20. Jahrhunderts klagte: „Wir wissen, daß in allen Bordellen der Welt Jüdinnen zu finden sind, und wissen, daß im Mädchenhandel – Händler und Ware – größtenteils jüdisch sind.“

Weit entfernt von allzu trockener Geschichtswissenschaft ermöglichen die „ungenierten Fremdengeschichten“ eine äußerst informative und zugleich sehr unterhaltsame Begegnung mit jener Zeit, als der Blick der Deutschen und Österreicher auf andere Völker, Nationen und Religionen noch von „Herrensinn“ und eifrigem Nationalpatriotismus geprägt war.

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